Starting travelling saved my life.

Ich habe schon spüren können wie mein Herz, vor Aufregung, schneller schlug. Ich habe auch schon gefühlt wie es vor Angst kurz aussetzte. Es ist schon vor Glück auf und ab gesprungen, oder mir vor Scham in die Hose gerutscht. Ich habe es brechen gehört und gefühlt, wie es auseinander fiel.

Eine ziemlich lange Zeit habe ich aber auch gar nichts gespürt. Ich war weder traurig, noch war ich glücklich. Ich liebte es zu singen, Gitarre zu spielen, zu fotografieren und Sport zu treiben. Das wusste ich. Ich wusste, dass mir all diese Dinge mal Spaß gemacht haben, aber irgendwie habe ich plötzlich damit aufgehört. Es fiel mir schwer überhaupt aus dem Bett aufzustehen. Natürlich hatte ich überhaupt keinen Grund deprimiert zu sein. Und so wirklich deprimiert war ich eigentlich auch nicht. Ich war gesund, ich hatte Freunde, eine glückliche Familie, ich wurde auch nicht schrecklich gemobbt oder hatte Liebeskummer. Ich habe mir auch nicht Nachts die Augen ausgeweint oder mich vor Frust betrunken. Ich spürte einfach gar nichts und das war irgendwann kaum mehr zu ertragen. Ich war so unendlich leer. Und für jemanden, der das nie gefühlt hat, ist es mit Sicherheit sehr schwer zu verstehen. Ich fand mich in dieser Zeit selber so sehr zum kotzen, dass es mir ein Rätsel ist, wie mich Andere ertragen konnten. Könnte ich die Zeit zurück drehen, dann würde ich so viele Dinge anders machen. Ein Tattoo mit „Je ne regrette rien!“ könnte ich mir auf jedenfall nie stechen lassen, denn ich bereue so unendlich viele Dinge von früher.

Noch immer weiß ich nicht so ganz wie ich mein Abitur geschafft habe und das sogar relativ gut. Ich bin so ungern in die Schule gegangen und habe mich nie wirklich angestrengt. Ehrgeiz war mir ein absolutes Fremdwort! Aber irgendwie habe ich tatsächlich einen Durchschnitt bekommen, der mir nicht mal peinlich sein musste.

Und irgendwie erinnerte ich mich plötzlich an all die Hobbys, die ich früher hatte. Ich sah mein 16 Jähriges ICH vor mir, wie ich tausend National Geographic Zeitschriften durchblätterte, wie ich mir Fotos von Tornados, wilden Tieren und einsamen Stränden an die Wände pinnte und wie ich immer davon träumte eines Tages genau solche Fotos machen zu können oder wie ich meine Eltern anflehte mir ein Auslandspraktikum im Sommer zu ermöglichen (was natürlich niemals passiert ist). Und als ich mein Abitur in der Hand hielt, da wusste ich, dass mir jetzt alle Türen offen standen und es ganz egal sein würde, durch welche ich ging.

Von allen Herzempfindungen, die ich bis dahin erlebt hatte, spürte ich an diesem Tag wie mein Herz wahnsinnig leicht wurde, weil eine gesamte Gebirgskette plötzlich davon abfiel. Als wäre all der Schatten, den sie geworfen hatte, verschwunden. Ich konnte dem Ziehen an meinem Herzen endlich nachgeben und es akzeptieren. Es hatte mich schon immer in die Welt hinaus gezogen und ich konnte endlich gehen … endlich war es so weit .. ein Rucksack voll Krimskrams und ein Flugticket nach Australien. Als hätte man das Licht in mir wieder angemacht…in mir hatte irgendwie immer etwas gefehlt und jetzt war es da.

 

Außerdem ein FETTES DANKE an meine Eltern & Großeltern, ohne die ich diese Reise niemals hätte Starten können! Das soll jetzt natürlich nicht heißen das ich eines von diesen Rich Kids bin, die das Geld von Mami und Papi so um sich werfen können! Denn das war und ist ganz und gar nicht so. Aber ich weiß das meine Mum wahrscheinlich jeden Tag, den ich weg war, Angst um mich hatte und das wahrscheinlich auch mein Dad sich oft gefragt hat, wie es mir wohl geht, auch wenn er nie zugibt, dass auch er sich Sorgen macht. Ich weiß, wie schwer es ihnen fällt „mich gehen zu lassen“ und das sie es mit meinem ständigen Fernweh nicht immer einfach haben. Aber trotzdem haben sie mir geholfen wo es auch nur ging, um mir diesen Traum zu ermöglichen und dafür werde ich auf ewig dankbar sein – auch wenn ihr jetzt selbst daran Schuld seid, dass ich nicht mehr aufhören kann zu reisen! 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s