Mein ganz persönliches, australisches Abenteuer.

Nach nur wenigen Wochen in Australien kann ich sagen: es ging mir noch niemals so unendlich gut. Man fürchtet sich Sonntagmorgen nicht schon vor Montag und man zählt nicht die Tage bis endlich Wochenende ist. Man wartet nicht ungeduldig auf die Ferien. Man lebt einfach im Hier und Jetzt und ist absolut glücklich damit. Und das nicht etwa, weil wir hier Backpacker sind, die ja sowieso nur entspannen! Nein, einfach alle Menschen hier scheinen zufrieden mit sich und dem Leben zu sein. Ich fragte eine Frau in einem kleinen Zeitschriften Laden nach dem Weg und als sie, nach wenigen Sätzen, bemerkte dass mein Englisch eine absolute Katastrophe ist und ich kein Wort verstehe, da schloss sie einfach ihren Laden und fuhr mich direkt hin! Als Deutscher ist man von dieser Hilfsbereitschaft so überwältigt, dass man es erst nach 10 Minuten glauben kann, was passiert ist. Normalerweise bekomme ich entweder den falschen Weg gesagt oder gar keiner will mit mir reden, weil alle im Zeitdruck sind. Zeitdruck gibt es hier in Australien irgendwie nicht .. wenn das Wetter zu gut ist um arbeiten zu gehen geht man eben lieber surfen 🙂 (Was auch nicht bedeuten soll dass die Australier faul sind! Auch sie machen ihre Arbeit, aber eben ohne Stress, sondern viel mehr mit Spaß und Freude an den Dingen, die sie machen.)

Und die australische Gutmütigkeit sollten wir noch viel deutlicher Kennenlernen! Denn wir haben auf Gumtree einen tollen Van gefunden und schlussendlich gekauft. Hinten ein großes Bett und ganz viele Campingsachen drin – auf den 1. Blick perfekt zum verreisen! Auf den zweiten Blick, nachdem wir bereits unterwegs waren, sahen wir allerdings nur noch schwarzen Qualm aus dem Motor aufsteigen und schlussendlich – war der Van kaputt. Und die Reparatur, wie sollte es anders sein – unbezahlbar. Nun standen wir da, ohne Geld, mit kaputten Auto. Und eine Jobsuche gestaltete sich als kompliziert, denn neben uns suchen natürlich noch 1 Million andere Backpacker eine Arbeit. Nachdem ich also alle Supermärkte, Hostels, Hotels, Farmen und Restaurants in gefühlt ganz Queensland abgeklappert habe – hatten wir immer noch keinen Job. Es war die Hölle und ich glaubte unser Abenteuer sei beendet. Aber die Familie, auf dessen Grundstück der Van stand (Backpacker haben ihn dort nämlich abgestellt weil sie es nicht schafften ihn vor ihrem Flug zu verkaufen) erlaubte uns bei ihnen zu wohnen. Wir schliefen in dem Van, der eben stand wo er stand, und den Rest des Tages waren wir bei der Familie. Es war quasi wie unerwartetes wwoofing. 🙂 Und so lernten wir uns irgendwie lieben, denn von da an teilten wir alles, und von hier an begann unser australisches Abenteuer erst so richtig. Wir erlebten nicht Australien, wie es andere Backpacker vielleicht kennen, denn wir haben nicht den gesamten Kontinent umrundet, aber wir haben unsere Zeit bei den liebsten Menschen des Landes verbracht, die uns alles zeigten, wie wir es anders vielleicht nie hätten wahrgenommen. Ich habe in dieser Zeit so viel gelernt, auch über mich selbst, dass ich im Nachhinein meine Reise niemals anders hätte erleben wollen, und dafür bin ich wahnsinnig dankbar. Der kaputte Van war wohl ein positiver Schicksalsschlag 🙂

In nur wenigen Monaten hatte ich mehr erlebt als in 18 Jahren in Deutschland. Ich rannte barfuss durch die Wildnis, ich fütterte ein Wallaby mit der Flasche, ich trug einen Koala, ich sprang von einem Wasserfall, ich schwamm in einem Vulkankrater (Lake Eacham), ich sah ein Buschfeuer, ich holte Post aus dem Briefkasten und traf auf eine Schlange, ich streichelte einen verletzten Kookaburra, ich kochte Curry mit dem tollsten Inder der Welt, ich schlich mich Nachts durch den Busch, ich fuhr Motocross, ich hielt eine Schlange, traf ein Kragenechse, stand unter dem Himmel voll von Fledermäusen, rettete einen Sugar Glider, wurde von Papageien geweckt und genoss mein Leben wie nie zuvor. Wie ein unbeschwertes Kind konnte ich mein Leben genießen, so ganz ohne Sorgen. Dieses Gefühl hatte ich seit langem nicht mehr, aber ich speicherte es in mir auf und hoffte es würde niemals wieder weg gehen. Ich wollte niemals wieder weg gehen .. ich fühlte mich so zuhause und angekommen. Genau hier habe ich mein Herz verloren ..

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